Matthias Pintscher
Neues Werk für Orchester (2016)
Paul Hindemith
Konzert für Violine und Orchester (1939)
Béla Bartók
Konzert für Orchester Sz. 116 (1943)
Frank Peter Zimmermann, Violine
Gürzenich Orchester
Andrés Orozco-Estrada, Dirigent
Ein schwerkranker Mann schreibt im verhassten New Yorker Exil gegen Ende seines Lebens Musik voller mitreißender Energie: Béla Bartóks brillantes Konzert für Orchester ist zugleich tosendes Kraftwerk und geheimnisvoller Kosmos der Stille, ein Meisterwerk voller Rätsel und überschäumender Freude. Es solle – so der Komponist – das Publikum aus einer Sphäre mystischer Dunkelheit ins Licht führt. Orchesterinstrumente finden sich in Gruppen zusammen, treten als bravouröse Solisten ins Rampenlicht. Paare tanzen Reigen, ein feierlicher Choral ist Ruhepol genau an der richtigen Stelle, eine Elegie verzaubert mit traumverlorenen, kaum mehr fassbaren Klängen und erzählt von dunklen Mysterien. 1944 wurde die Uraufführung durch das Boston Symphony Orchestra umjubelt. Neun Monate später war Bartók tot. Nicht ohne Grund ist sein Konzert für Orchester seine beliebteste Komposition – elegant, abwechslungsreich, kurzum: unwiderstehlich!
Auch Paul Hindemiths Violinkonzert ist das Werk eines Exilanten, auch hier legen sich immer wieder Schatten über eine Atmosphäre strahlender Helligkeit – dunkle Ahnungen angesichts des Zweiten Weltkriegs, der bereits begonnen hatte, als das Violinkonzert 1940 uraufgeführt wurde? Der provokante »Bürgerschreck«, als der Hindemith vor allem in den 1920er-Jahren galt, ist er hier allerdings nicht: Das eher traditionell gehaltene Violinkonzert pendelt zwischen Stillstand und großer Geste, lässt das Orchester mächtig auftrumpfen und gibt dem Solisten – Hindemith wusste als professioneller Geiger sehr genau, wie man die Violine am besten in Sene setzt – viel Raum zwischen Bravour und der Versenkung in einen Kosmos leisester Töne. Perfekt die Auswahl des Solisten: Der (derzeit beste) deutsche Geiger Frank Peter Zimmermann stellt sich den enormen Herausforderungen des Konzerts derartig souverän, als sei es für ihn geschrieben worden.
Andrés Orozco-Estrada ergänzt das Programm mit der Uraufführung einer neuen Komposition vom Matthias Pintscher: »Kontraste erzeugen Spannung. Und genau das interessiert mich. Lebende Komponisten haben etwas zu sagen – aber sie brauchen uns als Orchester, damit ihre Musik hörbar wird.«