Peeping Tom ist bekannt für ihre einzigartig hyperrealistische Bühnenästhetik und extreme Körpersprache, die ihre Geschichten in alltäglichen Umgebungen wie einem Garten oder einem Wohnzimmer positioniert. Dabei entzieht sie sich stets der Bedienung konventioneller Auffassungen von Zeit und Raum. In “Chroniques” sind fünf Personen in einem zeitlichen Labyrinth gefangen, sie mutieren und kollidieren in dem Versuch, der Unsterblichkeit zu entkommen. Ihre Existenz entfaltet sich in einer weiten, schwefligen Landschaft, erzählt in einer Abfolge von Chroniken. Ist diese Landschaft ein Boden für neue Schöpfungen oder besteht sie aus Überresten dessen, was einst war? In einem unaufhörlichen Bemühen, gemeinsam etwas zu erschaffen, wird diese Gemeinschaft durch andere Gesetze und physikalische Phänomene herausgefordert. Wir sind Zeug*innen einer körperlichen Metamorphose in einer abgründigen, poetischen Dimension.
Gabriela Carrizo, 1970 in Argentinien geboren, beginnt im Alter von zehn Jahren zu tanzen. Sie ist Mitgründerin des Balletts der Universität von Córdoba, wo auch ihre erste Choreografie entsteht. Mit 19 Jahren zieht sie nach Europa, wo sie zwischen Paris und Brüssel, Les Ballets C de la B, Alain Platel und der Needcompany pendelt. Mit Alain Platel kreiert sie die Choreografie für die Oper “Wolf” (2002). In dem Film “Kid” (2012) von Fien Troch hat sie eine Hauptrolle. Für das Nederlands Dans Theater entwickelt sie 2013 das Stück “The missing door” und für das Ensemble des Residenztheaters (München) 2015 das Stück “The Land”. Für die Eröffnung der Bienale de la Danse Lyon 2018 adapiert sie mit Franck Chartier das Stück “33, rue Vandenbranden” mit Le Ballet de l’Opéra de Lyon. 2022 kreiert sie “La Ruta” für das Nederlands Dans Theater, das 2024 mit dem Olivier Award in London ausgezeichnet wird.
Die belgische Tanztheater-Kompanie Peeping Tom wird im Jahr 2000 von Gabriela Carrizo und Franck Chartier gegründet, die seitdem gemeinsam deren künstlerische Leitung bilden. Die Handschrift der Kompanie zeichnet sich aus durch ein hyper-realistisches Set, das im Laufe der Darstellung aufgebrochen wird und zunehmend die Logik von Zeit, Raum und Stimmung auflöst. Der Zuschauende wird zum Zeugen, zum Voyeur von dem, was eigentlich verborgen und verschwiegen wird. Die unterbewusste Welt wird aufgedeckt, Albträume, Ängste und Sehnsüchte entblößt.