Und wieder ein Krieg.
Und wieder eine Katastrophe – verursacht vom Homo sapiens.
Der Mensch blickt auf seine eigenen Taten wie auf ein Echo aus der Vergangenheit. Geschichte wiederholt sich – als Tragödie, als Farce, als müde Gewohnheit einer Spezies. Und die großen Ideen, die die Welt verbessern sollten? Wo sind sie geblieben? Zwischen Hoffnung und Verfall verharrt die menschliche Existenz – tragikomisch, ratlos, unfähig zu lernen.
Vor diesem Hintergrund setzen wir uns mit dem Werk „Das letzte Band“ von Samuel Beckett neu auseinander. Die Bühne: eine karge Mondlandschaft, eine Wüste ohne Zeit. Hier erscheint Krapp als alter Rationalist – eine zerfallende Stimme, ein Körper im biblischen Alter, brüchig, krächzend. Ein Sisyphus, der in endloser Schleife auf sich selbst zurückblickt. Der nichts mehr erwartet. Und doch wartet. Worauf? Auf Erinnerung, auf Sinn. Auf ein Leben, das sich irgendwo zwischen Vergangenheit und Gegenwart verloren hat.
Verkörpert wird Krapp von Lisa Sophie Kusz (nominiert für den Kölner Darstellerpreis 2024). Kusz‘ Figur wird zu einem kollektiven „Ich“ – jenseits von Geschlecht, jenseits von Identität. Was bleibt, ist eine Stimme im Raum. Und das leise, unbeirrbare Warten. Ein Clown zwischen Leben und Tod, gefangen in einem Ritual aus Tonbandstimmen, Erinnerungen und pantomimischen Gesten – immer auf der Suche nach sich selbst, ohne sich jemals näher zu kommen.