Chaos, Pfiffe, wütende Zwischenrufe und sogar Handgreiflichkeiten: Als Igor Strawinskys Ballett "Le sacre du printemps" 1913 in Paris uraufgeführt wurde, empörte man sich über einen handfesten Skandal. Was für eine Musik, stampfend, orgiastisch, von geradezu obszöner Sinnlichkeit! Und dann auch noch das Thema: ein heidnisches Ritual zur Feier des Frühlings und der Fruchtbarkeit, das Opfer einer Jungfrau inklusive. Schockierend! Oftmals sind es aber gerade die höchsten Wogen, die sich dann besonders zügig glätten. Bereits relativ kurze Zeit später wurde nämlich klar, was Strawinsky da mit unglaublicher Wucht auf die Bühne geschleudert hatte: Ein Stück wie ein Orkan, das – wahrscheinlich wie kein anderes in der Orchesterliteratur – die Tür zur Moderne aufstieß, ja, sie möglicherweise erst möglich machte.