Österreichischer Knastpoet, Frauenschwarm, Journalist, verurteilter Mörder. Jack Unterweger war Vieles, und er spielte im Laufe seines Lebens zahlreiche Rollen. Zuletzt, wenig überzeugend, den unschuldigen Intellektuellen, dessen zweite Verurteilung 1994 – für die Morde an neun Frauen – zum Suizid führte. Während seiner ersten Inhaftierung, zu der er wegen Mordes an einem 18-jährigen Mädchen
verurteilt war, veröffentlichte Unterweger den Roman „Fegefeuer oder die Reise ins Zuchthaus“ (1983), der ihm sofort Ruhm verschaffte – auch wenn man heute vermutet, dass Schriftstellerin Sonja von Eisenstein, die Unterweger literarisch betreute und später erfolglos vor ihm warnte, ihn verfasst hat. Zu einer Aufführung seines Stücks „Endstation Zuchthaus“ (1985) am Volkstheater Wien erhielt er Freigang. Eine Petition für seine Freilassung unterzeichneten u. a. Elfriede Jelinek, Ernst Jandl und Günter Grass. Nach 15 Jahren Haft kommt er frei – als Paradebeispiel für eine „geglückte Resozialisierung“. Was zieht uns am Bösen an? Wieso identifizieren wir uns lustgewinnend mit Monstern? Und wann begegnen wir einem Menschen mit Barmherzigkeit? „Unterweger“ ist ein Abend über Lust und Mitleid, auf der Suche nach dem innersten Verlangen – dort, wo wir Gefahr laufen, auf unheimliche Geständnisse zu stoßen